Gottesbeweis – oder regiert der Zufall?

12 November 2008 at 11:16 (Astronomie, Bilder, Gedanken, Nachdenkliches, Philosophie, Weltall, Wissen, Zitate) (, , , , , , , , , , , , , )

Einem Menschen in diesem Universum bleibt nichts übrig als an Gott zu glauben. Oder an den Zufall. Oder an beides.

Mein Gedankenexperiment befasst sich mit der grundlegenden und rein intuitiven Annahme, dass das Universum vollkommen deterministisch ist. Überall herrscht das Ursache-Wirkungs-Prinzip. Nach dieser Annahme existiert keine Wirkung ohne eine Ursache zu haben.

Dieser Annahme wird wohl jeder logisch denkende Mensch zustimmen. Ich interessiere mich für Astronomie, weil ich im Kindesalter mit meinem Vater Star Trek geschaut habe. Ich habe im Kindesalter mit meinem Vater Star trek geschaut, weil ihn Science Fiction fasziniert. Science Fiction fasziniert ihn, weil er viel liest. Und so weiter. So kann man durch das Ursache-Wirkungs-Prinzip, vorausgesetzt das Universum ist vollkommen deterministisch, alle Wirkungen aus ihren Ursachen ableiten.

Dies führt uns aber zu einem Problem, liese sich alles streng ableiten, wären wir dann nicht einfach Marionetten eines Grundzustandes unseres Universums? Diese sich ergebende Konsequenz wird als Laplace`scher Dämon bezeichnet. Dieses fiktive „Überwesen“ könnte in einem vollkommen deterministischen Universum allein aus allen Naturgesetzen und Initialbedingungen jeden zukünftigen und vergangenen Zustand bestimmen.

determinstisch1

Dass dies praktikabel nicht möglich ist, war Laplace selbst bewusst. Von ihm stammt das Zitat:

„Wir müssen also den gegenwärtigen Zustand des Universums als Folge eines früheren Zustandes ansehen und als Ursache des Zustandes, der danach kommt. Eine Intelligenz, die in einem gegebenen Augenblick alle Kräfte kennte, mit denen die Welt begabt ist, und die gegenwärtige Lage der Gebilde, die sie zusammensetzen, und die überdies umfassend genug wäre, diese Kenntnisse der Analyse zu unterwerfen, würde in der gleichen Formel die Bewegungen der größten Himmelskörper und die des leichtesten Atoms einbegreifen. Nichts wäre für sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit lägen klar vor ihren Augen.“

Diesem Überwesen (wäre es ein physikalisches Objekt) ist es, aus heutigem Stand der Wissenschaft, aus mehreren physikalischen und mathematischen Gründen allerdings nicht möglich alle Zustände abzuleiten. Allein aus der Relativitätstheorie geht hervor, dass sich Informationen nur mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, und sich demnach ein Horizont für das Wesen ergeben würde.

Da es unserem Verstand widerstrebt eine Marionette des Urzustandes zu sein, da dies unter Anderem gegen den freien Willen jedes Menschen sprechen würde, gehen wir weiter in der Annahme und sagen: Aus dem Urzustand ist allein durch Kenntnisse über die Naturzustände nicht jeder später folgende Zustand ableitbar.

Hier ergibt sich allerdings ein Konflikt. Ist aus dem Urzustand nicht alles ableitbar, ist das Universum nicht vollkommen deterministisch, und andersherum: Ist das Universum vollkommen deterministisch, ist aus dem Urzustand alles ableitbar. Es sei denn: Das Universum hat keinen Urzustand sondern ist ein deterministischer Kreisprozess. Dies würde sich unter anderem mit existierenden kosmologischen Modellen decken. Oder es sei denn: Das Universum ist eine disjunkte Zerlegung, impliziert durch viele deterministische Kreisprozesse. Dies deckt sich allerdings nicht mit der Erfahrung, die wir von unserer Umwelt gewinnen.

det2Es stellt sich also die Frage: Ist das Universum vollkommen deterministisch, und lassen sich künftige Zustände nicht einfach ableiten, wie können dann neue Wirkungen entstehen? Denn nur so wäre abgedeckt, dass beide Annahmen einträten.

determinstisch2Ist das Universum deterministisch, brauchen die neuen Ursachen wiederrum Ursachen, diese Ursachen wiederrum Ursachen, und so weiter.
Es muss also Ursachen geben, die keiner weiteren Ursachen bedürfen. Die da wären: Ein Überwesen, das kein physikalisches Objekt wäre, (so zusagen eine Gott), da man ansonsten wieder einen Laplace`schen Dämon erzeugen würde, oder der Zufall als Ursache, der keine Ursache bedarf (Man könnte sagen: Gibt es Ursachen ohne Ursache, so heißen sie Zufall), oder es tritt beides ein.

Letzteres ist nicht der Fall, schenkt man Einstein glauben: „Gott würfelt nicht.“
Nachtrag:
Ich wurde von einem Freund, dem Matze, darauf hingewiesen, dass sich der Beitrag sehr mit einem Artikel aus der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ ähnelt.


Ich finde es eine Frechheit, dass mein Blog bei dem Artikel auf Seite 47 („Der Dämon und der Schmetterlingseffekt“) nicht erwähnt wird, obwohl die Ähnlichkeit der Artikel so verblüffend ist, dass mein Beitrag zweifelsfrei als Vorlage für diesen gediehnt hat ;)
Matze schlug mir daraufhin vor, für Spektrum der Wissenschaft zu arbeiten. Ich nickte geschmeichelt, sagte aber: „Nicht bei solch einem Niveau.“

7 Kommentare

  1. tigger sagte,

    Hi,

    interessantes Gedankenspiel. Über die Existenz des Zufalls habe ich mir auch schon mal Gedanken gemacht. Ich kam auch auf die Erkenntnis, dass das Universum deterministisch ist, was wiederum meinem Glauben an den freien Willen widerstrebte. Die Frage ist vielleicht, ob wir als Menschen diese Frage endgültig klären können, oder ob unser Verstand dazu gar nicht fähig ist.

    Aber wenn ich dieses Gedankenspiel konsequent zu Ende denke, dann glaube ich schon eher, dass es keinen wirklichen Zufall gibt. Nehmen wir als Beispiel das Wetter: Es ist uns heutzutage möglich, das Wetter vorherzusagen. Doch das klappt nicht hundertprozentig, sondern nur mit einer Wahrscheinlichkeit von weniger als 100%. Der Grund ist aber nicht, dass das Wetter (wie es sich entwickelt) vom Zufall abhängt, sondern dass wir einfach nicht in der Lage sind, wirklich ALLE Einflüsse zu berücksichtigen. Könnten wir das, wüssten wir auf die Sekunde genau, wann es am nächsten Tag an einem Ort zu regnen beginnen wird, und wie viel Liter Wasser dort auf die Erde fallen. Unsere Vorhersagen werden dank immer besserer Messmethoden sicherlich noch präziser werden, aber die 100% werden wir wohl nie erreichen, denke ich.

  2. Cauti sagte,

    ich denke dass es unmöglich ist solch eine Frage zu klären. Vielleicht gibt es ja eine Unschärferelation der Philosophie ;)

  3. tigger sagte,

    Wahrscheinlich läuft es auf eine Glaubensfrage hinaus. Nach dem Motto: „Ich glaube an das deterministische Universum“ oder eben nicht.

  4. nullachtfuenfzehn0815 sagte,

    an sich find ich die diskussion ganz interessant. allerdings ist mir da zuviel „fachgedöhnst“ drin. aber, du hast einen faktor vergessen, bzw. unterschätz.

    „Es muss also Ursachen geben, die keiner weiteren Ursachen bedürfen“

    Warum? Warum sollte das so sein. was wäre wenn wenn aus einer ursache mehrere wirkungen entstehen. das ist doch möglich. nehmen wir zum beispiel zwei bäcker und die situation das im ofen die brote verbrannt sind. dann ist eine wirkung auf die ursache das der eine bäcker alle brote wegschmeissen will. als er schon dabei ist kommt der zweite dazu und stoppt ihn. seine wirkung auf die ursache ist, das er in den laden geht, die brote auslegt und dran schreibt: crosses brot, heute zum probierpreis mit 50% rabatt. also, eine ursache, zwei verschiedene wirkungen. diese geschichte lässt sich natürlich jetzt in jede der beiden richtungen fortsetzen. der eine fliegt raus, weil er das brot weggeworfen hat und der andere bekommt ein lob, weil er so kreativ war. der rausgeflogene muss sein haus verkaufen weil er jetzt kein geld mehr hat und der andere ist befördert worden und kauft sich einen sportwagen, z.bsp. einen cayenne, oder einen 911er oder….( wenn ich groß bin, will ich auch so einen). wenn man die geschichte weiterspinnt stehen sich vielleicht irgendwann mal ein obdachloser und ein millionär gegenüber und sie stellen fest das ihre situation die gleiche ursache hat. vielleicht kann man ja nicht 100% vorhersagen was passiert, aber ich denke das man durch „rückwartszählen „viele dinge wieder auf einen nenner bringen.

  5. Cauti sagte,

    @0815:
    Ja, was du da ansprichst hatte ich mir auch überlegt. Der soziologische Aspekt. Hier könnte man wieder unterscheiden: Gehen die Entscheidungsprozesse von uns Menschen auf das Ursache-Wirkungs-Prinzip zurück? In einem gewissen Rahmen ja, denn unsere Entscheidungen sind größtenteils von Erfahrungen und vom Charakter geprägt. Doch der Charakter ist wiederrum auch durch Erfahrungen und durch Erziehung geprägt. Doch kann man in das Gehirn eindringen, und so weiß man natürlich bis heute nicht, welche Prozesse bei dem Entscheiden im Gange sind. Im Prinzip ist doch alles Biochemie. Doch folgt unser Gehirn dem vollkommenen Determinismus, wo bleibt dann der freie Wille des Menschen? Die Frage ist doch, würde sich der selbe Bäcker, der das Brot für den halben Preis verkauft an einem anderen Ort in einer anderen Zeit genauso entscheiden? Weil er ja die selbe Person ist, den selben Charakter besitzt und mit dem selben Gehirn denkt? Sicherlich eine interessante Frage.
    Aber wie auch immer sich der Bäcker entscheidet, meine Überlegungen beeinflusst dies nicht. Denn selbst wenn du aus einem Zustand nicht alle weiteren zukünftigen Zustände ableiten kannst, so könnte das Ursache-Wirkungs-Prinzip dennoch gelten. Denn du hast hier eine Ursache: Das verbrannte Brot. Und daraus folgt eine Wirkung, ganz egal wie diese Aussieht. Und demnach muss es zwangsläufig, befinden wir uns in keinem Kreisprozess, Zustände geben die keiner Ursache bedürfen. Und spinnt man den Gedanken weiter kommt man zu meiner Folgerung.

    Und als Ergänzung: Auch wenn das Urniversum dem vollkommenen Determinismus folgt, woher stammt der Urzustand?

  6. tigger sagte,

    Deine letzte Frage kann wohl niemand beantworten. Außerdem ist sie auch nur eine Theorie. Wer weiß, ob der menschliche Verstand die wirkliche „Wahrheit“ überhaupt begreifen könnte. Wie viele Universen es noch gibt, und welche physikalischen Größen dort existieren.

    Ich denke, auch wenn der Entscheidungsprozess ein sehr komplexer Vorgang ist, der multiplen Einflüssen unterliegt (Gene, Charakter, Erziehung, aktuelle Stimmung, Erfahrungen etc.), so sind es jedoch nicht unendlich viele Einflüsse. Es ist tatsächlich alles Biochemie bzw. Physiologie im Gehirn. Also müsste auch der Entscheidungsprozess und sein Ergebnis vorhersagbar sein. Aber nur bei genauer Kenntnis aller zum entsprechenden Zeitpunkt vorhandenen Einflüsse. Sobald es irgendwo eine minimale Abweichung gäbe, könnte die Entscheidung schon anders ausfallen.

    Den wahren Zufall kann es mE eigentlich nur geben, wenn ein System oder ein Gegenstand unendlich vielen Einflüssen ausgesetzt ist, so dass der nächste Zustand nicht mehr vorhergesagt werden kann. Ob es das gibt, weiß ich nicht, aber ich denke, eher nicht.

  7. nullachtfuenfzehn0815 sagte,

    im ersten punkt stimme ich tigger zu. die wirkliche warheit könnten wir nicht verstehen. eigentlich sollten wir ( laut unserer erziehung) die antwort vor augen haben. doch die ganze sache hat in meinen augen aber auch einen kleinen haken.
    wenn man davon ausgeht das die „schöpfungsgeschichte“ die warheit ist geht mein verständniß bis zu dem punkt als kain seinen bruder abel erschlägt. enden tut mein verständniß bei dem punkt als “ kain sein weib erkannte“ . ich suchte schon einmal die antwort auf dieses phänomen, damals wurde mir gesagt das die bibel kein geschichtsbuch sei, das man toternst nehmen sollte. ( aber was soll soll ich sonst damit machen) egal, jedenfalls frage ich mich wie kain sein weib erkennen kann wenn er der einzige ( übriggebliebene) sohn der ersten menschen ist? oder ist das ein versteckter hinweis darauf, das es 1: ein zweites „eden “ gab und das gott nicht bei adam und eva aufgehört hat, oder 2: wir hatten besuch aus einem anderen universum. jedenfalls ist das schon der moment wo man keinen kreislauf mehr erkennen kann.

    dann ist da noch der punkt mit dem freien willen. haben wir den wirklich, oder beruhen unsere handlungen nur auf jahrtausend alten erfahrungen, die sich in unser hirn eingebrannt haben? sind sie einfach nur eine abfolge „programierter ereignisse“? ich denke das man den aspekt der instinkte nicht unterschätzen sollte. viele dinge die wir heute tun kann man auf das verhalten unserer vermeindlichen vorfahren zurück führen.

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