Am Anfang war…

30 April 2009 at 6:20 (Astronomie, Nachdenkliches, Philosophie, Wissen) (, )

Harald Lesch (bekannt durch die TV-Sendungen Alpha Centauri und Forschung Aktuell), der Chuck Norris der Astronomie, kommt nach Jena :)

Nächsten Mittwoch (der 06.05.2008) um 19.00 Uhr in den Rosensäalen.
„Am Anfang war…“ heißt die Veranstaltung, und vertreten ist außerdem ein Theologe. Mit Wein und Jazz wird dies wohl eine gute Diskussionsrunde ergeben.

Ich bin dabei. Wer kommt mit?

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Gottesbeweis – oder regiert der Zufall?

12 November 2008 at 11:16 (Astronomie, Bilder, Gedanken, Nachdenkliches, Philosophie, Weltall, Wissen, Zitate) (, , , , , , , , , , , , , )

Einem Menschen in diesem Universum bleibt nichts übrig als an Gott zu glauben. Oder an den Zufall. Oder an beides.

Mein Gedankenexperiment befasst sich mit der grundlegenden und rein intuitiven Annahme, dass das Universum vollkommen deterministisch ist. Überall herrscht das Ursache-Wirkungs-Prinzip. Nach dieser Annahme existiert keine Wirkung ohne eine Ursache zu haben.

Dieser Annahme wird wohl jeder logisch denkende Mensch zustimmen. Ich interessiere mich für Astronomie, weil ich im Kindesalter mit meinem Vater Star Trek geschaut habe. Ich habe im Kindesalter mit meinem Vater Star trek geschaut, weil ihn Science Fiction fasziniert. Science Fiction fasziniert ihn, weil er viel liest. Und so weiter. So kann man durch das Ursache-Wirkungs-Prinzip, vorausgesetzt das Universum ist vollkommen deterministisch, alle Wirkungen aus ihren Ursachen ableiten.

Dies führt uns aber zu einem Problem, liese sich alles streng ableiten, wären wir dann nicht einfach Marionetten eines Grundzustandes unseres Universums? Diese sich ergebende Konsequenz wird als Laplace`scher Dämon bezeichnet. Dieses fiktive „Überwesen“ könnte in einem vollkommen deterministischen Universum allein aus allen Naturgesetzen und Initialbedingungen jeden zukünftigen und vergangenen Zustand bestimmen.

determinstisch1

Dass dies praktikabel nicht möglich ist, war Laplace selbst bewusst. Von ihm stammt das Zitat:

„Wir müssen also den gegenwärtigen Zustand des Universums als Folge eines früheren Zustandes ansehen und als Ursache des Zustandes, der danach kommt. Eine Intelligenz, die in einem gegebenen Augenblick alle Kräfte kennte, mit denen die Welt begabt ist, und die gegenwärtige Lage der Gebilde, die sie zusammensetzen, und die überdies umfassend genug wäre, diese Kenntnisse der Analyse zu unterwerfen, würde in der gleichen Formel die Bewegungen der größten Himmelskörper und die des leichtesten Atoms einbegreifen. Nichts wäre für sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit lägen klar vor ihren Augen.“

Diesem Überwesen (wäre es ein physikalisches Objekt) ist es, aus heutigem Stand der Wissenschaft, aus mehreren physikalischen und mathematischen Gründen allerdings nicht möglich alle Zustände abzuleiten. Allein aus der Relativitätstheorie geht hervor, dass sich Informationen nur mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, und sich demnach ein Horizont für das Wesen ergeben würde.

Da es unserem Verstand widerstrebt eine Marionette des Urzustandes zu sein, da dies unter Anderem gegen den freien Willen jedes Menschen sprechen würde, gehen wir weiter in der Annahme und sagen: Aus dem Urzustand ist allein durch Kenntnisse über die Naturzustände nicht jeder später folgende Zustand ableitbar.

Hier ergibt sich allerdings ein Konflikt. Ist aus dem Urzustand nicht alles ableitbar, ist das Universum nicht vollkommen deterministisch, und andersherum: Ist das Universum vollkommen deterministisch, ist aus dem Urzustand alles ableitbar. Es sei denn: Das Universum hat keinen Urzustand sondern ist ein deterministischer Kreisprozess. Dies würde sich unter anderem mit existierenden kosmologischen Modellen decken. Oder es sei denn: Das Universum ist eine disjunkte Zerlegung, impliziert durch viele deterministische Kreisprozesse. Dies deckt sich allerdings nicht mit der Erfahrung, die wir von unserer Umwelt gewinnen.

det2Es stellt sich also die Frage: Ist das Universum vollkommen deterministisch, und lassen sich künftige Zustände nicht einfach ableiten, wie können dann neue Wirkungen entstehen? Denn nur so wäre abgedeckt, dass beide Annahmen einträten.

determinstisch2Ist das Universum deterministisch, brauchen die neuen Ursachen wiederrum Ursachen, diese Ursachen wiederrum Ursachen, und so weiter.
Es muss also Ursachen geben, die keiner weiteren Ursachen bedürfen. Die da wären: Ein Überwesen, das kein physikalisches Objekt wäre, (so zusagen eine Gott), da man ansonsten wieder einen Laplace`schen Dämon erzeugen würde, oder der Zufall als Ursache, der keine Ursache bedarf (Man könnte sagen: Gibt es Ursachen ohne Ursache, so heißen sie Zufall), oder es tritt beides ein.

Letzteres ist nicht der Fall, schenkt man Einstein glauben: „Gott würfelt nicht.“
Nachtrag:
Ich wurde von einem Freund, dem Matze, darauf hingewiesen, dass sich der Beitrag sehr mit einem Artikel aus der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ ähnelt.


Ich finde es eine Frechheit, dass mein Blog bei dem Artikel auf Seite 47 („Der Dämon und der Schmetterlingseffekt“) nicht erwähnt wird, obwohl die Ähnlichkeit der Artikel so verblüffend ist, dass mein Beitrag zweifelsfrei als Vorlage für diesen gediehnt hat ;)
Matze schlug mir daraufhin vor, für Spektrum der Wissenschaft zu arbeiten. Ich nickte geschmeichelt, sagte aber: „Nicht bei solch einem Niveau.“

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